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Cochlea-Implantat (auch: Elektronische Hörprothese, Innenohrimplantat, CI)

Bei einseitiger oder beidseitiger Taubheit kann eine elektronische Hörprothese (Cochlea-Implantat) die Funktion des ausgefallenen Innenohrs übernehmen
von Johannes Rückher, aktualisiert am 04.04.2017

Das äußere Bauteil des Cochleaimplantats mit dem Mikrofon sitzt meist hinter dem Ohr.

Imago Stock & People/Caro

Cochleaimplantate bedeuten für taub geborene Kinder die Möglichkeit Sprache zu lernen und für viele spätertaubte Patienten eine enorme Verbesserung der Lebensqualität. Die aufwändige Nachsorge verlangt jedoch viel Disziplin.

Was ist ein Cochlea-Implantat?

Die elektronische Hörprothese besteht aus zwei Bauteilen: Das externe (äußere) Bauteil setzt sich aus einem batteriebetriebenem Sprachprozessor mit Mikrofon zusammen und befindet sich hinter der Ohrmuschel. Das in den Schläfenknochen eingesetzte innere Bauteil umfasst eine Empfängerspule und Elektroden, die bis in die Hörschnecke des Innenohres reichen. Äußeres und inneres Bauteil stehen drahtlos miteinander in Verbindung: Magnete übernehmen per Induktion die Stromversorgung des inneren Bauteils. Radiowellen übertragen die codierten Schallsignale.

Schema des Hörvorgangs vom äußeren Ohr bis zum Trommelfell, über die Gehörknöchelchen im Mittelohr bis zur Hörschnecke des Innenohrs

Corbis/Jacopin/BSIP

Der normale Hörvorgang

Bei gesunden Menschen laufen beim Hören komplexe Vorgänge im Körper ab: Zuerst fängt die Ohrmuschel die Schallwellen wie ein Trichter auf. Über den äußeren Gehörgang gelangt der Schall zum Trommelfell und versetzt es in Schwingungen. Gehörknöchelchen im Mittelohr tragen diese Schwingungen zum Innenohr weiter. (Dabei wird auch das Signal verstärkt durch den Größenunterschied des großen Trommelfells und der kleinen Steigbügelplatte.) Der fürs Hören zuständige Teil des Innenohrs ist wie ein Schneckenhaus (Cochlea) geformt, und mit einer Flüssigkeit gefüllt. Die Flüssigkeit bewegt sich und versetzt eine Membran in Schwingungen, wodurch sogenannte Haarsinneszellen aktiviert werden. Dadurch entsteht schließlich ein Sinnesreiz, den der Hörnerv über die Hörbahn ans Hörzentrum im Gehirn leitet.

Hörvorgang mit dem Cochlea-Implantat

Wenn für den Hörvorgang wesentliche Bestandteile wie die Sinneszellen (Haarzellen) des Innenohres ausfallen, kann eventuell ein Cochlea-Implantat helfen. Mit ihm läuft der Hörvorgang folgendermaßen ab: Das Mikrofon hinter oder vor dem Ohr empfängt Schallwellen (Sprache, Musik, Umgebungsgeräusche). Der angeschlossene Sprachprozessor filtert die Signale heraus, die für das Hörverständnis wichtig sind. Er sendet sie anschließend in Form von Radiowellen durch die Haut hindurch an die Empfängerspule. Diese Empfängerspule übersetzt die Radiowellen dann in elektrische Signale, die über Elektroden den Hörnerv stimulieren. Der Hörnerv leitet die elektrischen Signale an das Gehirn weiter, welches somit das ursprüngliche Hörereignis erkennen und interpretieren kann.

So werden das äußere und das innere Bauteil des Cochleaimplantats platziert

W&B/Szczesny/Neisel, bearb. Ibelherr

Für wen kommt ein Cochlea-Implantat in Frage?

Bei Patienten mit Taubheit, die auf einer Schädigung des Innenohrs beruht, helfen keine herkömmlichen Hörgeräte. Sie können zum Beispiel von einem Cochlea-Implantat profitieren. Dafür müssen allerdings Hörnerv samt Hörbahn und Hörzentrum im Gehirn funktionsfähig sein.

Das Cochlea-Implantat kann sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen eingesetzt werden: Bei den erwachsenen Patienten handelt es sich üblicherweise um Menschen, die erst nach dem Spracherwerb ertaubt sind ("postlinguale Ertaubung"). Der Hörverlust kann genetisch bedingt sein oder durch Krankheiten (beispielsweise Virusinfekte), Vergiftungen (zum Beispiel auch bestimmte Medikamente und Lösungsmittel) und Verletzungen verursacht werden. Die Erfolge sind größer bei kurzer Dauer der Taubheit aber auch bei länger bestehender Ertaubung gut. Die Implantation sollte daher so früh wie möglich  nach einer Ertaubung erfolgen.
Bei der in der Regel angeborenen "prälingualen Taubheit" sind Kinder betroffen, die noch nicht sprechen gelernt haben. Ein nach dem ersten Lebensjahr eingesetztes Cochlea-Implantat bietet den Kindern meist gute Chancen, mit pädagogischer Unterstützung und Hilfe des Implantats hören und sprechen zu lernen.

Welche Voruntersuchungen sind notwendig?

Um zu überprüfen, ob Patienten ein Cochlea-Implantat helfen kann, führen HNO-Ärzte umfangreiche diagnostische Maßnahmen durch. Einen hohen Stellenwert haben dabei die so genannten audiometrischen Verfahren, die die Funktionstüchtigkeit des Hörnerven und der Hörbahn testen. Je nach Entscheidung des Arztes kommt auch der sogenannte "Promontoriumtest" zur Anwendung: Eine feine Nadel wird durch das Trommelfell am Promontorium (Basiswindung der Hörschnecke) in der Paukenhöhle platziert. Bei intaktem Hörnerv löst dann ein feiner, über die Nadel zugeführter Reizstrom eine Hörempfindung aus. Erwachsene können die verschiedenen Untersuchungsgänge durch aktive Rückmeldung unterstützen. Bei Kindern ist die Situation naturgemäß schwieriger und erfordert ein besonders sorgfältiges Vorgehen. Angeborene Taubheit deckt ein routinemäßig durchgeführter Test (Otoakustische Emissionen) im Rahmen der ersten Vorsorgeuntersuchungen auf. Bildgebende Verfahren (Computertomographie, Magnetresonanztomographie) liefern ergänzende Hinweise über die anatomischen Verhältnisse im Operationsgebiet und sind vor jeder Implantation durchzuführen.
Neben diesen technischen Untersuchungen sind noch weitere Aspekte für die Ärzte von Interesse: Die psychosoziale Situation des Patienten, seine Kommunikationsfähigkeit und bei Kindern der allgemeine Entwicklungs- und Sprachentwicklungsstand haben großen Einfluss auf den Therapieerfolg.

Wie läuft die Operation ab?

Vor dem eigentlichen Eingriff stehen neben der sorgfältigen Diagnostik eine eingehende Aufklärung und Beratung des Patienten und seiner Angehörigen. Diese behandelt sowohl die Operation als auch das sich anschließende Nachsorgeprogramm.
Die Patienten erhalten das Cochlea-Implantat unter Narkose. Es wird in ein Knochenbett hinter dem ausgebohrten Warzenfortsatz (Mastoid), einem Teil des Schläfenknochens, eingesetzt. Die Elektrode, die später den Hörnerv stimulieren soll, positioniert der Operateur in der Hörschnecke. Häufig erhalten beide Ohren ein Cochlea-Implantat, um das Richtungshören und das Sprachverstehen bei störenden Hintergrundgeräuschen zu verbessern. Der Eingriff sollte in einer darauf spezialisierten Klinik stattfinden. Dann gilt er auch als relativ komplikationsarm. Spätere Komplikationen und Funktionsausfälle, beispielsweise durch Infektionen oder Nervenverletzungen, sind selten.

Im Röntgenbild kann man den Sitz der Elektroden des Cochleaimplantats sehen

Okapia/ClinicaClar

Wer organisiert die Nachsorge?

Die behandelnden Ärzte organisieren zusammen mit unterschiedlichen Berufsgruppen wie Logopäden, Psychologen, Phoniatern und Audiotherapeuten ein umfangreiches Schulungs- und Nachsorgeprogramm. Bei Kindern spielen auch die Lehrer der Schwerhörigen- bzw. Gehörlosenschulen eine wichtige Rolle.
Nach Abschluss der Wundheilung (etwa sechs bis acht Wochen) wird der Sprachprozessor in einem mehrmonatigen Prozess eingestellt. Es folgt ein umfangreiches und langfristiges Hör-Sprach-Training. Bei ertaubten Erwachsenen, die bereits sprechen gelernt haben, dauert dies wesentlich kürzer. Kinder hingegen, die von Geburt an taub sind, müssen das Hören erst als völlig neuen Sinneseindruck begreifen und wie ein normal hörendes Kind sprechen lernen.

Wie hoch sind die Erfolgsaussichten?

Die Chancen, ein Hörverständnis zu erreichen, das für den alltäglichen Sprachgebrauch ausreicht, stehen bei gelungener Operation und intensiver Mitarbeit der Patienten gut. In der Regel können die Patienten dann Hintergrundgeräusche unterscheiden, menschliche Stimmen erkennen und ein ausreichendes Sprachverständnis erlangen. In etwa 90% der Fälle ist das Sprachverständnis so gut, dass es eine Unterhaltung am Telefon, also ohne Unterstützung durch Lippenablesen, möglich macht. Vielen Kindern wird so die Möglichkeit des Spracherwerbs gegeben und spätertaubten Menschen gelingt es dadurch, ihre soziale Isolation zu durchbrechen und wieder aktiv am Leben teilzunehmen.

Prof. Friedrich Bootz

W&B/Rainer Unkel

Beratender Experte: Professor Dr. Friedrich Bootz ist Hals-Nasen-Ohrenarzt. 1991 habilitierte er sich. Ab 1995 war er Universitätsprofessor und Klinikdirektor in Leipzig und anschließend ab 2002 an der Universität Bonn. Im Jahre 2007 war er Präsident und von 2009 bis 2012 war er Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. 2010 wurde ihm von der Universität Timisoara in Rumänien die Ehrendoktorwürde verliehen, seither hat er dort auch eine Gastprofessur inne.

Quellen:
1. Behrbohm H, Kaschke O, Nawka T: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, 2. korrigierte und aktualisierte Auflage, Stuttgart Thieme-Verlag 2012
2. Lenarz T, Boenninghaus H: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, 14. überarbeitete Auflage, Berlin Heidelberg Springer-Verlag 2012
3. Berghaus A, Rettinger G, Böhme G: Duale Reihe Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Stuttgart Hippokrates-Verlag 1996
4. Probst R, Grevers G, Iro H: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, 2. korrigierte und aktualisierte Auflage, Stuttgart Thieme-Verlag 2004
5. Hahn P, Paquet K (Hrsg.): Facts HNO, 1. Auflage, Marburg KVM-Verlag 2010
6. Franzen A: Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, 3. aktualisierte Auflage, München Elsevier-Verlag 2011
7. Zenner H (Hrsg.): Praktische Therapie von HNO-Krankheiten, 2. überarbeitete Auflage, Stuttgart Schattauer-Verlag 2008


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.




Bildnachweis: W&B/Szczesny/Neisel, bearb. Ibelherr, Okapia/ClinicaClar, Imago Stock & People/Caro, W&B/Rainer Unkel, Corbis/Jacopin/BSIP
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